Ein Sonntag in Malchow

MalchowWenn ich die derzeitige Wetterlage anschaue, bei der es fast nur noch Regen gibt, dann hatte ich bei meinem letzten Aufenthalt an der Mecklenburgischen Seenplatte doch noch sehr viel Glück, ein Sachverhalt, den ich vor ein paar Wochen aber noch nicht so richtig wahrhaben wollte. Schließlich waren wieder Regenschauer angesagt und dank meinen feuchten Erfahrungen bei meinem vorherigen Aufenthalt in Waren an der Müritz, bei dem nur an einem Tag des gesamten Urlaubs die Sonne schien, waren meine Aussichten für die Umsetzungen meiner Ausflüge doch etwas getrübt und mein Fahrrad vorausschauend im heimischen Keller geblieben. Geplant hatte ich unter anderem eine Fahrradtour um die Müritz und um den Plauer See. Also musste ich für die Tage meines Urlaubes kurzfristig umplanen. Da ich einen Tag für die Besichtigungen der Museen in Malchow eingeplant hatte, verlief jedenfalls ein Tag halbwegs nach der vorbereiteten Tagesordnung.

Da es wieder ein unbeständiger Tag werden sollte, und am Morgen die Sonne durch die Wolkendecke schien, beschloss ich den für den Nachmittag angedachten Schiffsausflug auf den Seen der Umgebung auf den Vormittag zu verschieben, denn was man hat das hat man und ich ein paar Bilder der Region von der Wasserseite aus mit etwas Sonnenschein. Ich kaufte mir am Hafen eine Karte für das nächste Fährschiff, welches zehn Minuten später abfuhr und erstaunlich leer blieb. OK, es nieselte etwas, was aber wohl kein Grund für die wenigen Leute auf den Straßen von Malchow war. Naja auch egal, ich hatte bei der Fahrt das ganze Oberdeck ganz für mich alleine, während zwei Senioren sich das Unterdeck teilten. Da sich die Wolken während der ersten Hälfte der Fahrt kurzfristig verzogen, konnte ich so ungestört über das Deck laufen ohne irgendwelche störenden Touristen vor meine Kameralinse zu bekommen. Die Fahrt ging erst einmal über den Malchower See, wo das Schiff drehte um anschließend die Drehbrücke von Malchow zu passieren. Über den Fleesensee und Kölpinsee ging es in den kleineren Jabelschen See, wo das Schiff wieder wendete und das Wetter sich aus. Plötzlich war alles wieder Grau in Grau und ein starker Regenschauer prasselte auf die Landschaft hernieder. Am Hafen von Malchow angekommen konnte man sehen, wie aggressiv die Vertreter der heutigen Rentnergeneration sein können. Es wollen sie auf das Boot strömen, obwohl es noch nicht angelegt hat, dann lassen sie die aussteigenden Fahrgäste nicht aussteigen und machen keinen Platz und wenn der Weg freigegeben wurde, dann kann man fast eine Prügelei beobachten. Einfach nur peinlich. Während sich die Senioren auf dem Schiff ihre Wunden leckten, nutzte ich die Zeit sinnvoll für meine kulturelle Bildung in den Museen von Malchow.

Das erste von mir besuchte Museum war das Kiek in un wunner di, ein kleines Heimatmuseum mit einer Sammlung von technischen Raritäten und selten erhaltenen Skurilitäten. Die Mitarbeiterin des Hauses erklärte den interessierten Besuchern die Funktionalitäten von den dort ausgestellten Exponaten, denn schließlich können die meisten Leute von heute mit den historischen Geräten nichts anfangen. Direkt in der Nähe befindet sich das Mecklenburgische Orgelmuseum, welches in der neogotischen Klosterkirche von Malchow und dem ehemaligen Pfarrhaus untergebracht ist. Hier kann man einiges interessantes über die Geschichte und Funktionsweise der Orgeln und ihren Erbauern erfahren. Im Klostergebäude selbst gibt es auch noch eine Ausstellung mit Bildern von einheimischen Künstlern. Als letztes war dann das DDR-Museum Malchow auf meiner Liste. Es gibt zwar einige DDR-Museen in Mecklenburg-Vorpommern, die angebotene Interaktivität dieses Museums ist aber recht ungewöhnlich, denn in der Abteilung mit dem Kinderspielzeug kann man mit den historischen Spielzeugen spielen. Das mehrgängige Abendessen im Fischrestaurant Dat Fischhus, welches sich direkt an der Drehbrücke Malchow befindet, beendete dann den Sonntag im kulinarischen Sinne.