Schon seit meiner Kindheit habe ich ein Faible für alte Ritterburgen. Hoch auf einem Berg, die Landschaft überragend, prägen die Wahrzeichen vergangener Ritterherrlichkeit ganze Landstriche. Wir haben hier in Mecklenburg-Vorpommern zwar nicht so hohe Berge wie in Sachsen, wo beispielsweise die Festung Königsstuhl das Elbtal dominiert, im Süden von Mecklenburg-Vorpommern gibt es aber recht hohe Hügel, welche zwar nicht so imposant ausschauen, zur damaligen Zeit aber für ihren Zweck völlig ausreichend waren. Aber auch heutzutage hat man immer noch einen etwas anstrengenden Weg bis hinauf auf den Berg, wenn man die Strecke zu Fuß zurücklegt. Viele Höhenburgen gibt es hier nicht, die meisten Burgen sind Niederungsburgen, welche im Flachen Land errichtet wurden und von Wasser und Sümpfen geschützt waren, ganz in der Tradition der slawischen Bewohner, welche ihre Burgen schon an Stellen errichteten, an welchen spätere Landesherren im Mittelalter andere Burgen errichteten. Eine der mittelalterlichen Burgen, welche auf einem solchen ehemaligen Burgberg errichtet wurde, ist die Burg Stargard. Wenn man von Neustrelitz nach Neubrandenburg fährt, befindet sich kurz vor Neubrandenburg das Städtchen Burg Stargard, wo sich ein Berg mit einem Turm befindet, welcher die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die umstehenden Bäume sind sehr hoch, man sieht fast nur noch die Spitze des Turmes. Da ich des Öfteren in der Müritz-Region war, fiel mir dieses markante Bauwerk immer wieder auf, so dass ich mich entschloss, einen ganzen Tag für einen Besuch des Städtchens einzuplanen und die Burg wieder einmal zu besuchen. In Mecklenburg und Pommern gibt es relativ viele Stargards, deshalb beschloss man vor einigen Jahren den Namen um Burg zu erweitern. Deswegen verwirrt es vielleicht etwas mehr, wenn man nicht weiß, ob man über die Stadt oder die Burg meint. Der Witz an der Sache ist aber, dass Stargard slawisch ist und soviel wie Alte Burg heißt, nach der Umbenennung bedeutet der Name der Stadt also soviel wie Burg Alte Burg.
Es gibt in Burg Stargard einen Rundweg, der über sieben Berge führt. Der Weg über die sieben Berge führt aber nicht zu Schneewittchen und ihren sieben männlichen und etwas sehr kleinwüchsigen, dafür aber sehr gut von der Natur ausgestatteten WG-Mitbewohnern, sondern immer wieder an den Ausgangspunkt der Reise zurück, in meinem Fall der Bahnhof der Stadt. Von dort aus ging es zuerst zum Mühlenberg, auf welchem, wie der Name und ein paar halbwegs dekorativ aufgestellten Mühlsteine vermuten lassen, einmal eine Windmühle gestanden hat. Ein Blick auf die Stadt und weiter ging es in Richtung Burg, welche sich relativ nah am Mühlenberg befindet. Vormittags ist es für gewöhnlich recht still in der mecklenburgischen Kleinstadt an der Linde, wie übrigens der brausende Fluss heißt, welcher sich durch den Stadt schlängelt, so dass es bis dahin auch recht wenige Leute zur Burg verirrt hatten. Vielleicht lag es aber auch an den Öffnungszeiten des Museums in der Burg, welches erst am frühen Nachmittag geöffnet hatte.
Also machte ich mich wie es so schön heißt auf Schusters Rappen und umrundete erst einmal die kleine Stadt mit ihren sieben Bergen, um dadurch etwas Zeit totzuschlagen. Keine Ahnung wie diese Berge alle hießen, das ist an ja auch egal, denn der interessanteste Berg ist der Burgberg. Ich wanderte jedenfalls die längere der beiden ausgeschilderten Routen entlang und dann noch durch die kleine Altstadt, bis ich wieder an der Burg angekommen war. Dort musste ich dann erst einmal was für die Figur tun, in Form von Fischen im historischen Rittersaal. Schöne rustikale Einrichtung, lecker Essen und einen herrlichen Blick auf die Landschaft der Umgebung, vorausgesetzt man das Glück hat und bekommt einen Tisch am Fenster.
Gestärkt ging es erstmal an die Museumskasse und dann direkt zum Bergfried. Die Außentreppe ist recht fies, wenn man an Höhenangst leidet und dann so ein Konstrukt aus Industrietreppen vorfindet, welche einen bis zu einem Drittel der Höhe außerhalb der Mauern hinaufführen. Aber was tut man sich nicht alles an, nur um ein paar schöne Bilder von der Aussicht von solchen Aussichtstürmen zu bekommen. Der Ausblick vom Bergfried der Burg Stargard ist schön, ich konnte an diesem Tag nicht nur über die Burganlage und die Altstadt, sondern sogar noch bis nach Neubrandenburg blicken, dessen Skyline mit den großen Hochhäusern ,der dominanten Marienkirche und dem großen Tollensesee davor am Horizont zu sehen war. Für den weiten Ausblick in die anderen Richtungen war es an dem Tag dann doch noch zu trübe. Meine Bildung polierte ich mir dann noch in der Ausstellung des Heimatmuseums auf, welches auch in den Räumlichkeiten der Burganlage untergebracht ist, bevor es dann wieder in Richtung Heimat ging.