Zum Insektenessen in die Domburg

Seitdem ich vor ein paar Jahren ein paar Wochen in China war, ekele ich mich anscheinend vor gar nichts mehr, was die Auswahl meiner kulinarischen Bestellungen betrifft. Seit einiger Zeit gibt es in der Domburg in Greifswald Insekten im Angebot. Dass es bei einigen schlechten Lokalitäten solche Exemplare eher unerwünscht in der Suppe schwimmen oder im Salat krabbeln können ist ja bekannt, dass man sich diese Tierchen aber auch als Hauptgericht ordern kann ist zumindest in dieser Region eher mehr als ungewöhnlich. Da ich bisher immer eine große Klappe hatte und immer meinte, ob wir nicht mal in die Domburg gehen können um dort ein paar leckere Insekten essen zu können, war ich ja fast schon in einer Situation, in welcher ich es schon hätte zwangsweise machen müssen. Da ich beim letzten Stammtisch in der Domburg anwesend war, bot es sich daher an, die Sprüche in die Realität umzusetzen.

In der Domburg bietet es sich ja an, eine der Liegeflächen im Kellergewölbe einzunehmen und es sich dort bequem zu machen. Der Vorteil ist auch, dass es relativ schummerig ist, so dass man das Essen nicht so gut sehen kann, was sich bei diesen speziellen Angeboten dann doch besser macht. Während es oben etwas heller ist, kann man im Kellergewölbe nicht so viele Details erkennen, was es dann doch einfacher macht, sich die Insekten überhaupt servieren zu lassen. Im Angebot waren unterschiedliche Insekten, welche man pro Stück ordern konnte. Mehlwürmer und Seidenraupen schloss ich erstmal aus, Skorpion war in der engeren Wahl, für 12 Euro esse ich aber dann doch viel lieber ein großes Stück Fleisch, so blieben also die Heuschrecken übrig, welche wohl nicht nur für mich den harmlosesten Anblick bieten.

Serviert bekommt man die Heuschrecken auf einem kleinen Salatteller mit Tomaten, Gurke und Paprika. Ganz oben drauf liegen dann diese kleinen ungewöhnlichen Festtagsbraten. Bei dem Schummerlicht konnte man nicht mehr sehr viel von der Anatomie der Tierchen mehr sehen, der Heuschrecke schien durch das Braten eine gewisse Braunfärbung erhalten zu haben. Die erste der insgesamt drei bestellten Heuschrecken gönnte ich mir noch pur um den reinen Geschmack zu erleben. Die Frage ist nur, wie der Eigengeschmack der Heuschrecken an sich ist, es waren relativ viele Röstaromen, welche ich dabei geschmeckt habe. Die anderen beiden Insekten folgten mit der geschmacklichen Hilfe des Gemüses. Bilder davon gibt es zwar nicht, aber genug Zeugen. Zudem bleibt die Erfahrung Insekten ganz bewusst verspeist zu haben, statt unbewusst im Schlaf, in welchem der Mensch ein paar Spinnen im Leben verschluckt, oder bei Mückenschwärmen, welche so wie im Schlaraffenland von alleine in den Mund fliegen, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Eine nette Idee, so kommt man auch ins Gespräch, aber ich bleib dann doch lieber ein Fleischfresser.