Eines der schönsten Ecken auf der Insel Rügen sind die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund. Wenn man schon auf der Insel Rügen ist, dann sollte man auch an einem Tag dorthin fahren, wenn man in Vorpommern ist dann auf die Insel Rügen, damit man zu den Kreidefelsen fahren kann. Da ich nun nicht allzu weit von den Kreidefelsen wohne, denn mir der Bahn inklusive Wartezeiten sind es nur anderthalb Stunden Fahrtzeit, beschloss ich mal wieder einen Ausflug in den Nationalpark Jasmund zu unternehmen. Mit der Bahn ging es über Stralsund nach Sassnitz, welches sich im Süden des Nationalparks befindet. Wenn man um kurz nach 7 Uhr losfährt hat man sogar Zeit für eine längere Wanderung durch die schönen Wälder der Region. Positiv sind die Busverbindungen des RPNV, welche sich gut an den Takt der Züge angepasst haben. Man wartet hier nur höchstens eine viertel Stunde bis der Bus in Richtung Nationalparkzentrum ging. Die Fahrt dorthin ging recht schnell, ich fuhr aber nicht nur bis zum Parkplatz, sondern direkt bis kurz vor das Ziel. Das Nationalparkzentrum hatte zwar schon offen, ich zog es aber erst einmal vor die über vierhundert Stufen zum Strand hinabzusteigen. Der abstieg ging recht schnell vonstatten, es waren auch fast keine Leute unterwegs, da die meisten erst in das Nationalparkzentrum wollten. Unten angekommen war es einfach nur herrlich, denn da war nicht nur herrlichster Sonnenschein, sondern auch ein fast menschenleerer Strand. Wenn man schon Naturaufnahmen sammeln möchte, dann bitteschön und Horden von Touristen. Und wieder bewahrheitet sich die Tatsache, dass man für sein frühes Aufstehen manchmal belohnt wird. Der Aufstieg war dann schon etwas beschwerlicher, denn vierhundert Stufen herunter zulaufen ist eine Sache, vierhundert Stufen hoch zulaufen eine völlig andere. Dementsprechend viel Schweiß lief bei diesem Aufstieg an meiner Stirn herunter. Oben angekommen ging es erst einmal zur Victoriasicht um ein Bild vom Königsstuhl zu machen.
Das Nationalparkzentrum war das nächste Ziel. Hier kann man nur mit einer Eintrittskarte auf den Königsstuhl um einen der herrlichsten Ausblicke genießen zu können welche die Insel Rügen zu bieten hat. Irgendwie wissen die Tourismusmanager der Insel wie man die Leute um ihre Bürde des Kleingelds in den Brieftaschen entlastet. Nach dem Ausblick war erst einmal Bildung angesagt, hierzu ging es in die Ausstellung des Nationalparkzentrums, in welchen man wissenswertes über den Nationalpark Jasmund, seiner Geschichte und seiner Flora und Fauna erfährt. Positiv war der Audioguide, welches es in verschiedenen Versionen gab. Ich alte Romantiksau hab mich daher auch für die romantische Version entschieden, mit welcher ich mich durch dieses Museum habe führen lassen. Bevor ich mir ein Mittagessen im Museumsrestaurant gönnte, gab es noch eine Multimediashow mit bunten Bildern und Musik, welche den Nationalpark in den verschiedensten Jahreszeiten vorstellten. Und da gibt es echt bescheuerte Zeitgenossen. Eine Reihe vor mir war einer der ständig aufstand und die Bilder der Präsentation abfotografierte. Primitiver kommt man wohl nicht zu schönen aber gefakten Urlaubsbildern, oder wie sollte man ein solches Verhalten eigentlich sonst bezeichnen.
Dann kam der anstrengende Teil des Ausflugs meiner Rügenreise, denn der Weg war irgendwie länger als auf den Karten verzeichnet, da dort nur die Luftlinie vermerkt ist, der Wanderweg aber recht hügelig ist, so dass man locker noch einmal die Hälfte der Strecke hinzurechnen kann. Er ist auch recht anstrengend, wenn man die Qualität der Wanderwege betrachtet, welche eigentlich nur einfache Trampelpfade sind, welche entlang der Steilküste durch den Wald des Jasmunds führen. Dieser Höhenwanderweg ist aber trotzdem sehr viel besser zu bewandern als der steinige Strand am Fuße der Kreidefelsen. Zudem wird man noch von einigen schönen Aussichtspunkten belohnt, von welchem neben der Victoriasicht die Ernst-Moritz-Arnst-Sicht eine der schönsten Ausblicke auf die hohen weißen Kreidefelsen der Insel Rügen bietet.
Das letzte Stück nach Sassnitz bin ich dann doch noch am Strand entlang gelaufen, leider gab es dort für mich nur massenhaft Steine zu finden. Keine Bernsteine, Fossilien oder slawischen Goldschätzen, welche an die Küste gespült worden sind. Das war mal wieder typisch für mich, denn so was finde ich immer nur in irgendwelchen Shops mit Souvenirs. Am schönsten ist diese Wanderung übrigens im Herbst, wenn bei strahlendem Sonnenschein die herbstlich gefärbten Blätter im Winde wehen und nicht viele Leute unterwegs sind.